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AIDAvita – Sonntag, 20. September 2009

8. März 2010
Rom – viele tausend Jahre alt,
zwischen Frieden und Gewalt,
zwischen Zukunft und Vergangenheit.
Rom – große Stadt am Tiberstrom,
wo die Lust am Leben wohnt,
und wo jeder Stein Geschichte schreibt.
(Dschingis Khan – Rom)

Im Gegensatz zum Vortag mussten Di und Cal heute ihre Betten schon früher verlassen. Um kurz nach sechs klingelte der Wecker, den Cal in weiser Voraussicht eingepackt hatte, denn schon um acht Uhr sollte es mit dem Bus los gen Rom gehen. Und ich durfte mit!

Als sie im Calypso-Restaurant aus dem Fenster sahen, fiel ihnen bald die Kinnlade herunter. Die AIDAvita lag ja schon im Hafen von Civitavecchia, etwa eine Stunde Autofahrt außerhalb von Rom – und außer lagen noch drei weitere Kreuzfahrtschiffe an den Kais! Da kamen schon Befürchtungen auf, wie überfüllt es in der Stadt wohl sein möge, denn unser Schiff war deutlich das kleinste, was die Ausmaße anging. Doch die Befürchtungen stellten sich als unbegründet heraus, was wohl auch an dem verregneten Wetter gelegen haben mag, und an der Tatsache, dass die Römer wohl meistens sonntags zu Hause bleiben.

Doch soweit waren wir noch nicht. Cal steckte mich wie immer bei den Ausflügen in ihren Rucksack (sie hatte extra den großen mitgenommen, aber ich habe trotzdem einiges an Fell gelassen, wenn sie das wieder mal im Reißverschluss eingeklemmt hatte) und trug mich vom Schiff herunter zum Bus. Insgesamt waren vierzehn Busse nach Rom unterwegs, aufgeteilt natürlich unter den verschiedenen Ausflügen, die die Scouts angeboten hatten. Cal und Di hatten sich für den Ausflug Rom klassisch entschieden.

Im Bus wurde die Gruppe zunächst von einer Italienerin namens Barbara begrüßt, die die fließend deutsch sprach, wenn auch mit Akzent. Daraufhin ärgerten sich Di und Cal fürchterlich über einige Mitreisende, die immer wieder in Gekicher und Gelächter ob des Akzents ausbrachen… Meine beiden Begleiterinnen kamen sich vor wie im Kindergarten.

In Rom angekommen sammelte die Gruppe noch die eigentliche Reiseführerin auf, Ingrid, die Cal schon allein des Namens wegen ziemlich an ein Familienmitglied erinnerte, aber leider gleichzeitig die einzige Führerin war, die Di und Cal während der Reise auf die Nerven ging. Nicht nur, dass sie den ganzen Tag in einem gleich bleibenden leiernden Ton ohne Höhen und Tiefen sprach, sie riss auch immer wieder die gleichen Sprüche, die wohl witzig sein sollten („Es gibt nur Schnelle oder Tote“ zum Beispiel, wenn die Gruppe eine Straße überqueren musste). Nun ja.

In Rom angekommen, machte die Gruppe zunächst eine Panaromastadtrundfahrt, um schon mal einige Sehenswürdigkeiten zu sehen, die später zu Fuß nicht erreichbar waren oder die nicht auf dem Programm standen. Dazu gehörte zum Beispiel das Kolosseum, der Circus Maximus, der Palatin-Hügel, die Bocca della Verita, die Basilika Santa Maria Maggiore und das Denkmal Vittorio Emanuele II. – fast alles bedauerte Cal, wie sie mir später anvertraute, denn das antike Rom interessiere sie viel mehr als das christliche. Besonders Di machte auch während der Fahrt viele Fotos, doch es ließ sich nicht vermeiden, dass mal das ein oder andere Halteverbotsschild, ein anderer Bus oder auch mal ein Bagger auf den Bildern auftauchte („Wo kam der denn gerade her?“)

Rom

Rom, Denkmal Vittorio Emmanuele II

Rom, Kolosseum

Als der Bus dann hielt, verließ die Gruppe ihn auch prompt in den Nieselregen hinein, um Rom zu Fuß weiter zu erkunden. Immerhin ist ein Teil der Innenstadt Fußgängerzone, oder auch sind die Gassen zu schmal. Zunächst begab man sich zum Trevi-Brunnen, in den bedauerlicherweise in diesem Moment kein Wasser floss, das wurde erst später angestellt. Es herrschte ein grandioses Durcheinander, doch Di schaffte es trotzdem, sich an den Brunnenrand durchzukämpfen und ihre Münze zu werfen – daneben. Anschließend sahen die beiden sich noch ein wenig in der Umgebung um, Cal fand ein Weihnachtsgeschenk für einen Freund und Di ein Souvenir für ihre Mutter.

Rom, Trevi-Brunnen

Rom, Trevi-Brunnen

Die Gruppe spazierte weiter zum Pantheon, immer wieder mit den Kopfhörern kämpfend, die die Erläuterungen Ingrids im Lärm verständlicher machen sollten. Cal war bald ziemlich genervt von einer Mitreisenden, die sich weigerte, die Dinger zu benutzen, und sich dann immer bei ihr erkundigte, was Ingrid denn gerade gesagt hätte – nur weil Cal einmal den Fehler gemacht hatte, ihr zu erklären, dass das Pantheon einst ein römischer Tempel war und später in eine Kirche umgewandelt wurde. Das Pantheon an sich fanden die beiden aber sehr beeindruckend (Stoßseufzer von Cal: „Ich möchte mal die ganzen Bauwerke besichtigen, aber ohne dass die ganzen Touristen einem ständig vor die Füße laufen!“).

Als es dann weiterging, hätten Di und Cal dann fast den Anschluss an die Gruppe verloren, da Ingrid erst meinte, man würde sich am Altar wieder treffen, dann aber wohl nicht drauf achtete, ob auch alle wieder da waren – zum Glück bekamen meine beiden Heldinnen über die Kopfhörer mit, dass die Gruppe gerade weiterging…

Vorbei am Parlament und am Justizpalast ging es dann zur Piazza Nevada, wo die Gruppe von der Leine gelassen wurde, um zu Mittag essen zu können. Di und Cal entfernten sich allerdings nicht von der Piazza, da Cal dummerweise den Stadtplan im Bus vergessen hatte, sondern ließen sich in einem der vielen Restaurants nieder. Das Essen war hervorragend (Cal: Pizza Margherita, Di: Spaghetti al pomodoro) und auch einigermaßen akzeptabel vom Preis her, aber die Getränke… Huiuiuiuiui. Berechtigterweise haben sie sich aber für die deutschen Touristen fremdgeschämt, die sich an den Nebentisch gesetzt hatten. Einer von denen hatte eine Pizza Napoli bestellt, und als sie dann kam, sah sie wohl nicht so aus wie die bei seinem Lieblingsitaliener daheim, und daraufhin hat er dann Rabatz gemacht. Autsch! Aus meinem Rucksack, der unter dem Tisch stand, konnte ich sehen, wie Cal und Di immer wieder peinlich berührt das Gesicht verzogen und möglichst nicht zu erkennen gaben, dass sie ebenfalls aus Deutschland kamen. Verständigt haben sie sich mit dem Ober übrigens mit einem Kauderwelsch aus einigen Brocken Italienisch, viel Englisch und etwas Spanisch, das Cal immer mal wieder herausrutschte. Gedanklich war sie wohl noch auf Mallorca, anders kann ich mir das nicht erklären.

Nach dem Essen traf die Gruppe sich wieder, und erst hier stellte sich heraus, dass zwei Leute wohl schon am Pantheon verloren gegangen waren. Sie tauchten auch erst später am Petersdom wieder auf, doch zunächst begab man sich durch den Regen wieder zum Bus. Dort stellte man fest, dass es ausgerechnet die Mitreisenden waren, die sich zu Anfang des Ausflugs über den Akzent der Reiseleiterin lustig gemacht hatten (Cal: „Ach, DIE sind das!“ Antwort von der anderen Seite des Gangs: „Das wollte ich auch gerade sagen…“)

Was blieb noch auf der Liste der Programmpunkte? Der Petersdom natürlich, monumentales Bauwerk, größte Kirche der Welt und nach Cals Geschmack völlig überladen. Die Gruppe hatte Glück, die Schlange am Einlass war relativ kurz, sie mussten nur etwa zehn Minuten warten. Doch nach ihnen trafen noch diverse andere Gruppen ein, sodass die Warteschlange innerhalb von zwei oder drei Minuten um etwa 150 Meter anwuchs.

Rom, Petersplatz

Am Petersdom gibt es übrigens gleich zwei Kontrollen, die man als Besucher passieren muss – zunächst eine Sicherheitskontrolle ähnlich wie am Flughafen, die Taschen werden durchleuchtet, man selber muss durch so eine Art Türrahmen treten. Hat man das überstanden, kommt die zweite Kontrolle – die Kleidungskontrolle. Hat man nicht Knie und Schultern bedeckt, lassen einen die Wachen nicht herein. Eine solche Blamage blieb der Gruppe zum Glück erspart, zum einen wohl wegen des schlechten Wetters, zum anderen auch, weil die Scouts schon bei der Buchung darauf hingewiesen hatten.

Endlich im Inneren – und im Trocknen, was zumindest Cal viel wichtiger war. In Kirchen hat sich mich übrigens nicht herausgelassen, ich hörte sie auf der Treppe nur etwas murmeln was wie „Sakrileg… respektlos nicht mal ich“ klang. Pah! Als ob ich mich nicht zu benehmen wüsste!

Später hat sie mir dann noch vom Petersdom erzählte und meinte, dass sie hauptsächlich die Statuen von Michelangelo beeindruckt hätten, besonders die Pietà. Leider konnten ihre Fotos diesen Eindruck nicht einmal annähernd wiedergeben, daher hat sie sich später noch eine Ansichtskarte davon gekauft. Ansonsten ist ihr nicht viel davon in Erinnerung geblieben, außer dass sie den Dom ein ganzes Stück zu protzig fand. Di erinnerte sie dann später noch daran, dass auf dem Boden des Petersdoms quasi ein Umriss eingezeichnet ist, so nach dem Motto „Die anderen größten Kirchen der Welt würden hier enden, wenn sie im Petersdom stehen würden“. Na ja, wer’s braucht…

Rom, Petersdom - Pietà

Auf der Busfahrt nach Civitavecchia durfte ich dann auch endlich wieder aus dem Rucksack heraus.

Rom,. Im Bus

Kurz vor der Ankunft war dann noch ein prächtiger Regenbogen zu sehen, und als der Bus am Schiff hielt, schien die Sonne. Die Ausflügler wurden mit Wasser und Eistee am Kai begrüßt, außerdem wartete Dodo auf sie. (Hier ist vermutlich eine kurze Erklärung fällig – die AIDA hat vier Maskottchen aus dem KidsClub, Alwine, Itzi, Dodo und Achwasachwas. Dodo ist der frechste unter ihnen, die „Rampensau“ sozusagen.) Auf eine Anregung von Cal hin bat Di Dodo um ein Foto, bei dem dieser ihr durch das Haar wuschelte – was nicht nur von Cal per Foto festgehalten wurde, sondern auch von Hamid, einem der Aida-Fotografen, und Bastian, dem Filmmenschen… Mit dieser Szene ist Di dann auch prompt auf der DVD gelandet, was ich aber erst mitbekommen habe, als der Film im AIDA-TV lief und Cal beim Gucken auf einmal losbrüllte.

Auch an diesem Abend waren Cal und Di wieder im Theater und sahen sich die Show an, dieses Mal aus der ersten Reihe. Es kamen die unterschiedlichsten Titel, von Die Schöne und das Biest über Starlight Express, Evita, Les Misérables, Cabaret, Ludwig² und Heiße Ecke bis hin zum Phantom der Oper, etwas, bei dem Cal sich sehr amüsierte, denn für das Phantom hatten sie ausgerechnet den kleinsten der Darsteller genommen… Sah ein bisschen so aus, als ob sich ein Kind als Phantom verkleidet hätte, grinste sie später. Das Ganze lief unter dem Titel Backstage! Und zeigte so ein wenig die Welt hinter den Kulissen eines Musicals.

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