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Datenschutz und anderer „Quatsch“

6. April 2010

Stina sprach an anderer Stelle weise Worte:

Da krieg ich regelmäßig die Krise, wenn ein Ehemann bei mir den Stift zückt und mal fix was für seine Holde unterschreiben will.

„Haben Sie ne Vollmacht?“
„Ich bin der Ehemann!“
„Das war keine Antwort auf meine Frage.“

Und ganz ehrlich – das kann ich, wenn auch in anderem Kontext, eins zu eins unterschreiben. Bei uns ist es ähnlich, da kommen die Anrufe der Göttergatten, obwohl der Versicherungsnehmer (also unser direkter Vertragspartner) daneben steht. Wenn er sich legitimiert und uns die Erlaubnis gibt, mit dem Ehemann zu sprechen, oder uns gar eine Vollmacht vorliegt, dann ist das ja auch überhaupt kein Problem. Aber wenn dann solche Aussagen kommen wie „Aber ich bin doch seine Frau!“, dann könnte ich regelmäßig in die Tischkante beißen. Ja, mag sein. Mag aber genauso gut sein, dass ihr euch vor zwei Wochen getrennt habt und du nun versuchst, Einblicke in die Vermögensverhältnisse zu bekommen, um bei der Scheidung besser dazustehen. Und bevor jetzt einer kommt und schimpft, das sei ja alles hypothetisch – wir haben das alles schon gehabt. Wir haben ebenso Verträge, bei denen striktes Verbot herrscht, überhaupt eine Auskunft am Telefon zu geben, da die Kundin vor ihrem gewalttätigen Mann geflohen ist und er schon mal über uns versucht hat, ihre Adresse zu herauszubekommen. Wir haben Verträge, bei denen wir die Post regelmäßig an irgendwelche obskuren Adressen schicken, weil die Kunden im Zeugenschutzprogramm sind.

Noch schöner fand ich allerdings die Aussage einer Dame, die zum Vertrag des Ehemanns anrief, und zu mir sagte, als ich ihr die Auskunft verweigerte: „Aber ich bekomme doch sowieso das Geld, wenn der Vertrag zu Ende ist, ich bin doch da eingetragen!“ Ja, mag sein. Mag aber ebenso gut sein, dass sie da gar nicht mehr drin steht, sondern die Geliebte oder die uneheliche Tochter, von der sie gar nichts weiß. Ich werde also den Teufel tun und da irgendwas zu sagen (auch wenn ich durchaus mal davon träume, einfach „Sind Sie sicher? Wer ist denn eigentlich… Natascha Ivanova?“ zu antworten).

Nett war auch der ältere (oder besser: alte) Herr, der von mir Infos zum Vertrag seiner Tochter haben wollte und meinte „Die Kleine schafft das ja nicht alleine.“ Die ‚Kleine‘ war über 40 und Akademikerin, und ich bin bis heute der festen Überzeugung, dass sie es schaffen würde, wenn Papi sie mal lassen würde…

Also, liebe Leute, die Datenschutzgesetze haben durchaus ihren Sinn. Ihr mögt jetzt sagen „Aber das trifft doch alles auf mich nicht zu!“ – das wissen WIR aber nicht. Wir müssen immer vom schlimmstmöglichen Fall ausgehen. Wenn ihr euch nicht traut, mit uns zu sprechen (wir sind übrigens alle ganz lieb, nehmen unsichere Kunden gerne an die Hand und bemühen uns auch, nicht mit Fachchinesisch um uns zu werfen), dann schickt uns einfach einen kurzen Brief oder auch ein Fax, dass wir mit eurem Göttergatten über eure Verträge reden dürfen. Das gleiche gilt, wenn ihr wochenlang auf Montage seid und eure Frau derweil zu Hause alles managt. Dauert wirklich nicht lange (zumindest nicht länger als die halbstündigen Diskussionen, die wir schon deswegen mit verärgerten Eheleuten geführt haben) und macht uns alles das Leben einfacher.

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